Ein Jahr im Rückblick

Das erste Halbjahr 2020 war geprägt von der Corona-Krise, die weiterhin große Auswirkungen auf den fußballerischen Alltag hat. Die sportlichen Planungen und Erwartungen wurden jäh in den Hintergrund gestellt…

Die Trauer des Offenburger FV über den Nichtaufstieg als Zweiter der Verbandsliga Südbaden hielt sich in Grenzen. “Wir sind am Limit. Die Oberliga ist für uns momentan nicht zu stemmen“, sagte Sportvorstand Heinz Falk im Juni, nach einem halben Jahr ohne Einnahmen. Wenig später wurde die zweite Mannschaft aus der Kreisliga A abgemeldet, zudem ein großer Aderlass im Vorstand angekündigt. Unter anderem wollten Präsident und Sponsor Uwe Hoffmann (Kabel & Tiefbau GmbH), Heinz Falk und Marketing-Vorstand Jan Kahle (Trainer SV Stadelhofen) aufhören.

Doch all jene, die dem „Traditionsverein von der Badstraße“ mal wieder ganz schwere Zeiten prophezeit hatten, staunten in der Folge nicht schlecht. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 12. August trafen sich 85 Mitglieder und Besucher im Karl-Heitz-Stadion, die ein Vereinsmitglied am Ende sogar so kommentierte: „Der OFV steht so gut da wie lange nicht mehr“.

Norbert Großklaus wurde zum Präsidenten gewählt. „Ich habe ein Herz für diesen Verein und für diese Stadt. Der OFV soll zum Sympathieträger für Offenburg werden“, hielt der evangelische Pfarrer eine sehr emotionale Rede. Stefan Klein übernahm neben seinem Posten als Finanz-Vorstand kommissarisch auch den vakanten Posten als Sportvorstand von Heinz Falk, der sich mit 80 Jahren zurückgezogen hat.

Die Mannschaft hatte zudem einen Trainerwechsel zu schultern. Florian Kneuker gab frühzeitig seinen Abschied kund und mit Benjamin Pfahler (SV Endingen) wurde ein Nachfolger verpflichtet, der die Spielidee seines Vorgängers weiterführt. Nach durchwachsenem Saisonstart steht derzeit Rang drei und das Viertelfinale im SBFV-Rothaus-Pokal zu Buche. „Der Lockdown kam für uns zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt“, ärgert sich Pfahler, ist aber dennoch optimistisch: „Wir sind auf einem guten Weg und haben noch Luft nach oben.”

Was war noch

Dr. med. Klaus Haake – der ehemalige Mannschaftsarzt, Präsident und Vorsitzender des Offenburger FV – war ein OFVler durch und durch. Er hatte was Zackiges, Kantiges, manchmal fast Staatsmännisches und war sehr zuvorkommend und ein ganz treuer Fan des OFV. Dr. med. Klaus Haake kam 1982 als ehemaliger Marinearzt zum OFV und übernahm das Schiff auf rauer See, als der Verein Mitte der 1990er-Jahre in der Steueraffäre unterzugehen drohte. Und das mit klarem Rezept: „Keine Abenteuer, keine schwarzen Kassen, keine Handgelder – nur Aufwandsentschädigungen!“ Mit dieser Ansage erteilte Dr. med. Haake dem zuvor über viele Jahre schwarzgeldfinanzierten Amateurfußball eine Absage. Im März erlag er im Alter von 81 Jahren nach einem Herzinfakt.

Der Mann aus dem Ruhrpott – Hans Cieslarczyk – schaffte es bis in das WM-Halbfinale 1958 und trug das Trikot von Borussia Dortmund. Ab 1970 (bis 1975) trainierte er das erste von drei Mal den Offenburger FV. „Cissy“ – wie alle ihn nannten, war später noch einmal 1979/80 sowie vom 17. April bis 30. Juni 91 an der Badstraße. Im Juni starb der einstige und erfolgreiche Meistertrainer des OFV nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt im Alter von 83 Jahren.

Radivoje Javanovic – der überall bekannte und langjährige Schiedsrichter, Schiedsrichterbeauftragte und Ehrenmitglied des Offenburger FV, den alle nur „Rade“ nannten, war für sein anhaltendes Engagement mit dem DFB-Ehrenamtspreis ausgezeichnet worden. Darüber hinaus setze er sich sehr aktiv für die Neugewinnung von Schiedsrichtern ein. Der in Brcko im Norden von Bosnien und Herzegowina geborene Radivoje „Rade“ Jovanovic starb im August im Alter von 81 Jahren.

(Auszug: Mittelbadische Presse, Bild: Ch. Breithaupt)